Weltweit saisonal

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, von Adrian Wiedmer Produktion Umwelt

Wem die Umwelt wichtig ist, isst saisonal. Gemüse und Früchte, geerntet, wenn sie im Freiland reif sind. Doch wann ist das genau und welche Rolle spielt der Transport? Wer genau hinschaut, stösst auf unerwartete Resultate.

Unser CO2-Fussabdruck wächst mit jedem Kilometer, den wir zurücklegen, mit jeder Lampe, die wir einschalten, mit jedem Bissen, den wir zu uns nehmen. Diesen Fussabdruck gilt es zu reduzieren. Bei den Kilometern oder beim Strom ist uns schnell klar, worauf es ankommt. Bei der Ernährung wird es schwieriger. Die Anbaumethode, die Verarbeitung oder der Transport stehen abwechselnd im Vordergrund der Diskussion. Und die Supermärkte bieten alles an: regionale und weit gereiste Produkte, bio oder nicht, verschifft oder geflogen. Scheinbar gleiche Produkte stehen nebeneinander. In ihrem CO2-Fussabdruck unterscheiden sie sich aber um mehr als den Faktor 10.

Avocado besser als Spargel

Nehmen wir Spargeln. Kommen sie per Flugzeug aus Peru zu uns, entstehen für ein Kilo Spargeln 26,5 kg CO2-Äquivalente*. Fast doppelt so viel wie bei einem Kilo Rindfleisch. Wenn die gleichen Spargeln mit dem Schiff kommen, sind es 2,5 kg CO2. Das ist besser als die ersten europäischen Spargeln im März. Denn die wachsen auf einem beheizten Feld und kommen auf 5 kg CO2! Erst Ende April gibt es Spargeln vom Freiland zu 1,5 kg CO2 pro Kilo. Bio-Avocados, die auch mit dem Schiff aus Peru kommen, erzeugen 1,4 kg CO2 pro Kilo.

Auch bei Früchten gibt es ähnliche Beispiele. Erdbeeren im April, egal ob aus dem Thurgau oder dem Wallis, kommen auf über 4 kg CO2 pro Kilo Frucht – mehr noch als solche aus Marokko im Februar (3,4 kg CO2). Erst die ab Ende Mai geernteten Bio-Erdbeeren erreichen einen guten Fussabdruck von 0,77 kg CO2. Allerdings: Frische Mangos aus Burkina Faso würden auch diese Erdbeeren noch ausstechen: Sie schlagen nur mit 0,66 kg CO2 pro Kilo Frucht zu Buche.

Transport erstaunlich unwichtig für CO2-Bilanz

Was ökologisch sinnvoll ist und was nicht, entspricht nicht immer unseren Erwartungen. Im Gegensatz zu politischen Fragen ist die nach dem CO2-Fussabdruck aber wissenschaftlich zu beantworten. Wir haben deshalb mit den Experten von ESU-Services unsere Produkte unter die Lupe genommen. Die CO2-Angaben oben stammen aus der ersten Untersuchung mit ihnen. Die Resultate können von anderen Untersuchungen abweichen, sind in den Hauptaussagen aber eindeutig: Verzicht auf Flugtransport und Freilandanbau sind entscheidend.

Transporte allgemein sind dagegen erstaunlich unwichtig für die CO2-Bilanz. Das ist eine Chance für Kleinbauernfamilien und für Konsumentinnen weltweit, denn frische, saisonale Früchte und Gemüse reduzieren unseren CO2-Fussabdruck gegenüber tierischen, verarbeiteten oder nicht im Freiland gewachsenen Produkten auf jeden Fall und zu jeder Jahreszeit! Wir freuen uns sehr, Ihnen unseren Saisonkalender vorzustellen.

Saisonkalender Schweiz

Der gebana Saisonkalender zeigt Ihnen, wann welche gebana Produkte Saison haben und bei uns ankommen. Er soll Ihr Ratgeber sein, wenn Sie Verlangen nach Orangen oder Mangos verspüren oder wissen wollen, wann Freiland-Spargelzeit ist.

Im Sommer und im Herbst Früchte und Gemüse aus fernen Ländern zu importieren, ist unvernünftig. Schliesslich ist dann Erntezeit bei uns und das Angebot auf den Märkten riesig. Zwischen Juli und Oktober klafft deshalb ein Loch in unserem Saisonkalender. In diesen Monaten kommen mit Ausnahme der Kokosnüsse ausschliesslich Spezialitäten aus Europa bei uns an.

Im Spätherbst und im Winter wächst unser Angebot dann langsam. Wir importieren Feigen und Datteln frisch ab Ernte. Dann beginnt die Ernte der Zitrusfrüchte in Griechenland. Diese werden den ganzen Winter lang frisch geerntet und sind was ihren CO2-Fussabdruck angeht dennoch Musterschüler. Unsere Orangen sind mit 0,5 kg CO2* fast so gut wie Bio-Äpfel aus der Schweiz (0,4 kg CO2* im Januar).

Über Luxus sprechen

Gegen Ende des Winters, den ganzen Frühling lang und bis zum Frühsommer wird es für uns Schweizerinnen schwierig. Alle warten sehnlichst auf die ersten regionalen Früchte. Doch die Angebote an «saisonalen» Früchten, die ab Ende Februar in den Supermärkten locken, sind nicht nachhaltig. Zu diesem Zeitpunkt ist die CO2-Bilanz von per Schiff transportierten Tropenfrüchten, besser! Zum Beispiel unsere Mangos oder Avocados.

Wenn wir über CO2 sprechen, müssen wir unser Luxusprodukt erwähnen: die Ananas. Sie ist das einzige Produkt, das bei uns geflogen wird und entsprechend hoch ist ihr CO2-Fussabdruck: 9,9 kg CO2 pro Kilo Ananas. Das durch den Ananasverkauf entstehende CO2 kompensieren wir fünffach.

Auf unserem Saisonkalender sehen Sie, wann welche gebana Produkte Saison haben. Er soll Ihnen helfen, Ihre Bestellungen zu organisieren. Was die Nachhaltigkeit angeht, werden wir den Kalender stetig weiterentwickeln, so dass wir zu jeder Jahreszeit die richtige Mischung an europäischen und weltweiten Produkten anbieten können.

*Äquivalente, weil neben CO2 auch Methan, Lachgas und weitere Treibhausgase auf die Wirkung von CO2 umgerechnet werden.

Nachtrag vom 19.11.2019 aufgrund einer Kundenanfrage

Den Einfluss der Verpackung haben wir in der Vergangenheit in dem Beitrag «Sind Plastikverpackungen eine Umweltsünde» schon einmal beleuchtet. Martina Wyrsch von der Tiefgrün GmbH zeigte in ihrem Gastbeitrag auf, dass beim Blick auf die Ökobilanz vor allem tierische Produkte ein Problem darstellen. Die Verpackung macht bei der Umweltbelastung durch unsere Ernährung nur 1 Prozent aus. Mehr dazu finden Sie hier.

Abholstation und Ladengeschäft erscheinen auf den ersten Blick grüner als eine Bestellung, die man online tätigt und einem dann geliefert wird. Wenn wir jedoch jeden einzelnen Schritt in der Lieferkette ganz genau anschauen, sieht es für Abholstation und Ladengeschäft weniger gut aus.

Online

Beim Online-Handel fängt alles bei Ihnen und Ihrem PC an. Dieser verbraucht Strom, um ins Internet zu gelangen. Ihre Bestellung löst einen Prozess aus, der im Lager des Händlers beginnt. Ein LKW fährt dann mit Ihrer und vielen, vielen Bestellungen anderer Kunden los. In einem Verteilzentrum kommt Ihre Bestellung in ein kleineres Fahrzeug, das zu Ihrem Wohnort fährt und unterwegs noch diverse andere Haushalte beliefert.

Offline

Sie bestellen mit der Option Abholung oder kaufen direkt im Laden ein. In beiden Fällen muss die Ware ebenfalls von einem grossen Lager zu Ihrer Abholstation oder in den Laden transportiert werden. Die Station oder der Laden verbraucht mehr Strom als ein reines Lager. Im Winter werden sie stärker geheizt, im Sommer vielleicht sogar gekühlt, zusätzliche Endgeräte verbrauchen mehr Strom als die Lagerinfrastruktur. Sie fahren mit dem Velo, mit dem ÖV oder im schlechtesten Fall mit dem Auto zur Station oder Laden, um ihre Ware abzuholen.

Eine grobe Idee, was das in CO2-Emissionen bedeutet gibt diese Grafik des Öko-Instituts aus Deutschland. Die als Verein organisierte Forschungseinrichtung beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit Strategien zur nachhaltigen Entwicklung. Auch interessant ist der Artikel «Wie klimaschädlich ist der Onlinehandel?» vom Mai 2019, der die Grafik ebenfalls aufgreift.

Grundsätzlich gilt: Onlinehandel wird besser, wenn wir weniger retour senden, Offlinehandel wird besser, wenn Geschäfte in Energieeffizienz investieren und wir als Konsumentinnen zu Fuss oder mit dem Fahrrad einkaufen.