Gute Avocado, böse Avocado

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Produktion Umwelt
Avocado Hero

Die Avocado hat sich verwandelt. Von der Frucht der Weltretter zum Massenprodukt zum bösen Übel, das man besser nicht mehr kaufen sollte. Oder? Werfen wir einen Blick auf die Fakten.

“Diese Frucht bedroht die Welt”, “Avocadogate”, “Globaler Hunger auf Avocado zerstört Wälder”. Ein paar Minuten Recherche im Netz genügen, um einem den Appetit auf die Frucht gründlich zu verderben.

Wer weiter recherchiert, stösst schnell auf Aussagen zum Wasserverbrauch bei der Avocadoproduktion: Ein Avocadobaum soll 500 bis 1500 Liter Wasser benötigen, um ein Kilo Frucht hervorzubringen. Doch ist das ein Problem? Es kommt darauf an wo!

Niels Jungbluth von ESU-services vermutet, dass die Aussage zum Wasserverbrauch auf einer Studie beruht, die sich auf den Anbau in Mexiko bezieht. Jungbluth untersucht gemeinsam mit seinem Team die Ökobilanzen von Lebensmitteln, Textilien und anderen Produkten. Von ihm stammen auch die Berechnungen zum CO2-Fussabdruck der gebana Produkte.

Wasser ist nur ein Indikator von vielen

Global betrachtet stemmt Mexiko rund ein Drittel der Weltproduktion. Mexiko exportiert aber vorwiegend in die USA, in Europa bekommen wir kaum mexikanische Avocados zu Gesicht. Deshalb und weil der Anbau in jedem Land anderen Bedingungen unterliegt, ist es aus Sicht von Jungbluth fragwürdig, sich auf diese Zahl zu stützen.

Wasser ist gemäss Jungbluth ausserdem nur ein einzelner Umweltindikator beim Anbau. “Wasserknappheit kann lokal ein Problem sein, muss aber nicht”, erläutert er. “Andere Aspekte wie der Klimawandel etwa sind ein grösseres und vor allem ein globales Problem. In einer vollständigen Ökobilanz müssen wir darum alle relevanten Indikatoren berücksichtigen.”

Avocado per Schiff transportiert sind kein nennenswertes Problem

Zu diesen relevanten Indikatoren zählen unter anderem die Anbaumethode – bio versus konventionell – und der Transport. “Wenn Avocados aus Südamerika per Schiff kommen, ist das kein nennenswertes Problem. Werden sie mit dem Flugzeug transportiert, ist das schlecht. Egal woher sie kommen”, sagt Jungbluth.

Für den Transport via Flugzeug gibt es schlussendlich keinen Grund. Die Avocado zählt zu den klimakterischen Früchten, also zu jenen Früchten, die nach der Ernte weiterreifen. Das wiederum bedeutet, dass man sie ernten kann, wenn sie noch hart wie Stein sind. Dann hat man genügend Zeit, um die Früchte auf einem Schiff zu transportieren.

Bei der CO2-Bilanz ist die Avocado vergleichbar mit europäischen Aprikosen, Trauben oder Erdbeeren – weniger gut als Äpfel und Orangen aber etwa auf dem Niveau von Spargeln und besser als alle tierischen Produkte.

Was ist nun aber das eigentliche Problem der Avocado? Es ist ihr eigener Erfolg. Allein in der Schweiz stieg die Importmenge von 7300 Tonnen Avocados im Jahr 2012 auf über 15’000 Tonnen im Jahr 2018. In Deutschland verdreifachte sich die importierte Menge im selben Zeitraum von 29’000 auf 94’000 Tonnen.

Wachsende Nachfrage führt zu intensivem Anbau an unsinnigen Orten

Die Folge dieses Wachstums: Immer mehr Produzenten bauen sehr intensiv und zum Teil an unsinnigen Orten möglichst billig Avocados an, wie Zeit-Journalistin Elisabeth Raether das bereits 2016 sehr eindrücklich in ihrer Reportage “Das Märchen von der guten Avocado” beschrieb.

Das Ganze geht Hand in Hand mit der Art und Weise, wie wir am Ende das Lebensmittel konsumieren: Statt uns an die Saison der Frucht zu halten, ist es für uns selbstverständlich, dass Avocados 365 Tage im Jahr verfügbar sind. Dabei essen wir andere Früchte wie etwa Erdbeeren doch auch nicht ständig, oder?

Bei der Recherche zur Avocado und ihrem Wasserverbrauch stösst man auf Vergleiche mit anderen Lebensmitteln, die entweder weniger (Tomaten, Weizen) oder mehr (Rindfleisch, Kaffee) Wasser für ihr Wachstum benötigen. Das gängige Mass ist dabei die Anzahl Liter Wasser pro Kilo Lebensmittel.

Komplette Mahlzeiten vergleichen

Wer Früchte oder Gemüse seriös vergleichen will, kann aber nicht einfach Wasser pro Kilogramm Lebensmittel vergleichen. Denn eine Tomate hat völlig andere Nährwerte und Eigenschaften als eine Avocado. Eine Avocado kann auch als Ersatz für Eier, Butter oder andere tierische Fette genutzt werden. “Ich rate dazu, komplette Mahlzeiten zu vergleichen”, sagt Jungbluth.

Unsere Avocados stammen aus dem Küstengebiet Perus. Der Küstenstreifen des Landes ist etwa 3000 Kilometer lang und von 52 Bergtälern durchbrochen. In diesen Tälern findet seit Jahrhunderten traditionelle Landwirtschaft statt. Hier sind die Biobäuerinnen unseres Partners La Grama zuhause.

Die Täler wurden durch Flüsse geformt, die in den Anden entspringen. Noch heute versorgen diese Flüsse die lokale Landwirtschaft mit Wasser. Denn der Bioanbau untersagt schädliche Bewässerungssysteme. La Grama arbeitet mit dem Schweizerischen Forschungsinstitut für biologischen Landbau zusammen, um den Wasserverbrauch und die Wassergewinnung der Bauern in Peru zu optimieren.

Die ersten Avocados dieser Produzenten werden in der Regel im April reif, die letzten im Juni. Wir liefern die Früchte Ende April, Mai und Juni aus. Wie bei den meisten Frischprodukten haben wir ein Saisonangebot für alle drei Lieferungen.

Da die Avocado wie erwähnt eine klimakterische Frucht ist, reift sie bei Ihnen zu Hause nach. Alles was Sie dafür brauchen, ist etwas Geduld.


Verwendete Quellen:

Wikipedia: List of countries by avocado production (abgerufen am 27.02.2020)

Wikipedia: Virtuelles Wasser (abgrufen am 27.02.2020)

UNESCO-IHE: Virtual water trade (abgerufen am 27.02.2020)

The Packer: U.S. avocado import volume up by 15% in 2018 (abgerufen am 27.02.2020)

Die Zeit: Das Märchen von der guten Avocado (Original vom 13.10.2016, abgerufen am 27.02.2020)

Rolling Stone: Warum die Öko-Kritik an der Avocado ins Leere läuft (Original vom 30.05.2019, abgerufen am 19.03.2020)

Interview mit Niels Jungbluth, Gründer und Geschäftsführer von ESU-services

Für grobe Vergleiche: CO2-Rechner von Klimatarier