Corona-Virus in Burkina Faso

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Symbolbild Händewaschen

Das Gesundheitssystem in Burkina Faso ist seit Jahren sehr schwach. Wie dieses System mit dem Corona-Virus klarkommen soll, weiss im Moment niemand. Eine gute Nachricht gibt es trotzdem.

Das Corona-Virus ist in Burkina Faso angekommen. Wie viele Fälle der durch das Virus ausgelösten Krankheit Covid-19 es in Burkina Faso wirklich gibt, ist unklar. Die Landesregierung meldete am 31. März 2020 261 bestätigte Fälle und 14 Tote. Vermutlich sind es mehr, ganz sicher werden es mehr.

Bis 2014 war Burkina Faso eines der stabilsten Länder Afrikas. Danach begannen Revolution und Putsch langsam an dieser Stabilität zu nagen und seit ein, zwei Jahren geht es rapide bergab. Fast täglich gibt es Anschläge, Verletzte und Tote. Spitäler und Schulen sind seit Monaten geschlossen, mehr als eine halbe Millionen Menschen sind auf der Flucht, Wir hatten im Februar bereits ausführlich über die Sicherheitslage berichtet.

Doch selbst wenn Burkina Faso im Frieden wäre, hätte das Land dem Virus vergleichsweise wenig entgegenzusetzen. Es fehlt ausgebildetes Gesundheitspersonal, es gibt nicht genug Spitäler, die überhaupt Patienten mit dem Corona-Virus behandeln könnten und im ganzen Land existieren nur eine Handvoll Beatmungsgeräte.

Regierung hat die Grenzen geschlossen

Den Behörden in Burkina Faso ist der Ernst der Lage bewusst. Seit vergangener Woche sind die Landesgrenzen geschlossen und es gelten ähnliche Regeln wie bei uns in Europa. Dazu kommt, dass Reisen von und zu Dörfern und Städten mit bestätigten Fällen nur noch beschränkt möglich sind. Letzteres könnte für Hilfskräfte zum Problem werden, wie The New Humanitarian berichtet.

Das Sozialleben sei zum Erliegen gekommen, schreibt uns Gherard Grimoldi per E-Mail. Er ist ein italienischer Fotograf, der in Burkina Faso lebt und mit uns immer wieder zusammenarbeitet.

“Von 7 Uhr am Abend bis 5 Uhr am Morgen herrscht eine ungewöhnliche Stille in den Strassen von Bobo-Dioulasso”, schreibt er. Bars hätten geschlossen und selbst bei den Moscheen sei es vorbei mit dem regen Kommen und Gehen. Die Regierung hat eine Ausgangssperre verordnet. “Alles stoppt. Die Stimmen der Stadt verstummen und die sonst so wilden Aktivitäten tauchen ab in der Dunkelheit der Nacht.”

Laut Gherard liegt eine grosse Gefahr in den Symptomen von Covid-19. Sie würden jenen von Malaria, Gelbfieber, Typhus und anderen Krankheiten gleichen. Krankheiten, die die Menschen in Ländern wir Burkina ohnehin regelmässig befallen.

“Wie soll man erkennen, dass man infiziert ist, wenn die Symptome gleich sind?”, fragt Gherard. An grossangelegte Tests ist jedenfalls nicht zu denken. Das funktioniert selbst bei uns in der Schweiz nur mässig.

Weniger Arbeit bei hoffentlich gleichen Löhnen

All das hat Auswirkungen auf gebana Burkina Faso. Die Mitarbeitenden in der Fabrik in Bobo-Dioulasso müssen jetzt einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einhalten. Damit dies gelingt, haben wir sie in mehrere Gruppen aufgeteilt, die sich beim Arbeiten abwechseln.

Die Arbeit in Gruppen führt zwar dazu, dass die Mitarbeitenden pro Woche gesehen auf weniger Stunden kommen, aber dafür können alle weiterarbeiten und nicht nur einige Auserwählte.

Weniger Stunden bedeutet eigentlich auch weniger Lohn. Die gute Nachricht ist: Wir versuchen, die Löhne ohne Reduktion fortzuzahlen. Es gibt hier noch einige ungeklärte Fragen. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen werden.

All das verhindert natürlich nicht, dass wir an Produktivität einbüssen werden. Was das genau für gebana bedeuten wird, können wir im Moment noch nicht abschätzen.

Personal schulen, Hygiene intensivieren

Mindestens genauso wichtig wie die Löhne war und ist für uns die Schulung der Mitarbeitenden. In Zusammenarbeit mit der Regierung haben wir das komplette Personal geschult. Im Zentrum standen Fragen wie: Welche Gefahr geht vom Virus aus? Was sind die Symptome? Wie kann man verhindern, dass man krank wird? Wie muss man sich verhalten, wenn man Symptome erkennt?

In der Fabrik selbst müssen die Mitarbeitenden am Eingang Fieber messen. Die Mundschutzpflicht gilt nun für alle, egal ob in der Produktion oder Administration. Regelmässiges Händewaschen und Desinfizieren gehörten schon vorher zum Standard, aber wir haben die Praktiken nun intensiviert.


Photo by Mélissa Jeanty on Unsplash