Köstliche Vanille, teure Vanille

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Produktion

Manch einer sieht in der Vanille die Königin der Gewürze und mag damit richtigliegen. Doch was viele nicht wissen: In ihrem Hof regieren Betrug, Korruption und Gewalt. Ausserdem ist der Anbau des Gewürzes eine heikle Angelegenheit.

Glace, Pudding, Kuchen, Joghurt, Getränke, Shampoo, Seife, Körperlotion. Vanille steckt in mehr Produkten als man sich vorstellen kann. Längst nicht in allen ist auch wirklich echte Vanille drin. Die weltweite Nachfrage nach der schwarzbraun glänzenden Stange ist dennoch immens. Noch.

Denn die Vanille hat in letzter Zeit ein Problem: Ein Kilo kostete in der letzten Saison im Rohwarenhandel über 600 US-Dollar und ist damit teurer als Silber. Geht man ein paar Jahre zurück, findet man aber noch Preise von 35 Dollar pro Kilo. Was ist also passiert?

2015 und 2016 war es sehr trocken in Madagaskar. Die Vanillepflanzen litten darunter, die Ernte fiel mager aus, die Preise stiegen auf 450 Dollar pro Kilo. Im Jahr darauf traf Zyklon Enawo auf den afrikanischen Inselstaat. Der Sturm zerstörte zwischen 20 und 30 Prozent der Vanilleernte. Als Folge stiegen die Preise auf die besagten 600 Dollar und mehr pro Kilo.

Wieso bestimmen die Naturereignisse in einem einzelnen Land den Weltpreis für Vanille? Madagaskar deckt rund 80 Prozent des Weltbedarfs. Kaum an einem anderen Ort wächst Vanille besser. Klima und Böden sind ideal, nirgends soll sie feinere Aromen entwickeln als hier. Bricht hier die Produktion ein, spürt man das weltweit.

Bauern haben nur einen Tag Zeit für die künstliche Befruchtung

Die Krux daran: Vanille ist in Madagaskar gar nicht heimisch. Sie stammt ursprünglich aus Mexiko und nur dort leben auch die Bienenarten und Kolibris, die die Blüten der Orchideenpflanze bestäuben können. Ohne die Bestäubung durch diese Insekten und Tiere bildet die Pflanze keine Schoten.

Vanilleblüte

Der Anbau von Vanille in Madagaskar verlangt viel Fingerspitzengefühl, da die Pflanze dort eigentlich nicht heimisch ist. Boden und Klima sind dennoch ideal für die Orchideenart.

Der Mensch muss der Natur also nachhelfen und seit 1841 weiss er auch wie. Damals fand der Bauernsklave Edmond Albius heraus, wie man mit einem Holzstäbchen oder einem Grashalm, die Blüten der Vanillepflanze künstlich befruchten kann. Die Bauernfamilien in Madagaskar setzen bis heute auf seine Methode. Ein geübter Bauer schafft etwa 1000 bis 1500 Blüten pro Tag.

Als sei das nicht kompliziert genug: Die Blüten der Pflanze öffnen sich nur für einen einzigen Tag. Wenn die Blüte an diesem Tag nicht befruchtet wird, bildet sie keine Schoten. Die Bauernfamilien müssen also laufend ihre Parzellen kontrollieren, um das Zeitfenster nicht zu verpassen. Nach der geglückten Befruchtung dauert es dann sechs Monate bis zur Ernte.

Bestäubung Vanilleblüte

Jede einzelne Blüte der Vanillepflanze muss von Hand bestäubt werden. Nur dann bildet sie Schoten.

Einige sind über Nacht zu Millionären geworden

Der surreale Preisanstieg von 35 auf über 600 Dollar pro Kilo hat indessen etliche Menschen in Madagaskar quasi über Nacht zu Millionären gemacht. Händler und Bauern gleichermassen. In einem so armen Land wie Madagaskar – Platz 162 von 189 auf dem Human Development Index – führt das zu einem Ungleichgewicht, dass sich in Betrug, Korruption und Kriminalität entlädt: Bauern ernten zu früh, Produzenten trocknen zu kurz (mehr Wassergehalt = mehr Gewicht), Polizisten lassen sich bestechen und manch einer, der nicht selbst im Vanillegeschäft ist, versucht die Schoten ganz einfach zu stehlen.

Vor der Ernte im Juli und August stehen die Vanille-Bauern deshalb Wache. Jede Nacht. Sie halten Ausschau nach den Dieben, die sich in die Felder schleichen, wie NZZ und SRF berichten.

Bis zu 70 Prozent ihrer Ernten würden sie durch Diebe verlieren, behaupten einige Bauern in der ZDF-Doku «Vanille – Die Jagd nach dem braunen Gold». Das sei übertrieben, zitiert das ZDF einen Amerikaner des US-Friedenskorps, der vor Ort arbeitet. 30 Prozent Verlust durch Diebstahl seien realistischer.

Lesen Sie hier die Geschichte über die madagassische Vanille, die Sie in unserem Webshop vorbestellen können.


Verwendete Quellen

So teuer wie delikat (https://www.nzz.ch/finanzen/der-vanille-markt-spielt-nach-eigenen-gesetzen-vanille-wird-teurer-und-die-qualitaet-nimmt-ab-ld.1297439, abgerufen am 8.6.2020)

Vanille wird günstiger (https://www.zeit.de/news/2020-03/16/vanille-wird-guenstiger, abgerufen am 8.6.2020)

Das süsse Gift aus Madagaskar (https://www.nzz.ch/wochenende/madagaskar-schnelles-geld-mit-vanille-befeuert-kriminalitaet-ld.1525113?reduced=true, abgerufen am 8.6.2020)

Vanille – Die Jagd nach dem braunen Gold (ZDF-Doku über unseren Partner PRONATEC – leider nur noch auf Youtube verfügbar, https://www.youtube.com/watch?v=fDjXaiz5ZWk, abgerufen am 8.6.2020)

Inequalities in Human Development in the 21st Century (http://hdr.undp.org/sites/all/themes/hdr_theme/country-notes/MDG.pdf, abgerufen am 8.6.2020)

Immer teurer, immer schlechter: Vanilleschoten im Test (https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/immer-teurer-immer-schlechter-vanille-schoten-im-test, abgerufen am 8.6.2020)

Vanille (Gewürz) (https://de.wikipedia.org/wiki/Vanille_(Gew%C3%BCrz), abgerufen am 8.6.2020)