Die Suche nach der regionalen Traube

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Produktion Umwelt

Rebberge prägen das Bild vieler Gegenden in der Schweiz und Süddeutschland. Es mag deshalb sinnlos erscheinen, Trauben zu importieren. Doch der Schein trügt. Werfen wir einen Blick auf die Fakten.

Die Rebstöcke von Giannis Kollias sind über 30 Jahre alt und seit 2004 ausschliesslich biologisch bewirtschaftet.

Die Rebstöcke von Giannis Kollias sind über 30 Jahre alt und seit 2004 ausschliesslich biologisch bewirtschaftet.

"Warum sollte ich bei Ihnen Trauben aus Griechenland kaufen, wenn es Trauben aus der Schweiz gibt?" Fragen wie diese erreichen uns immer wieder.

Es ist eine verständliche Frage. Sehen wir doch vielerorts in der Schweiz oder Süddeutschland Hügel und Berge, die von Rebstöcken überzogen sind.

Diesen Eindruck, dass hierzulande Unmengen an Trauben wachsen, bestätigen auch Zahlen des Bundesamts für Landwirtschaft: 2019 kultivierten Schweizer Bauernfamilien landesweit Trauben auf einer Fläche von knapp 15'000 Hektar. In Deutschland beläuft sich die Anbaufläche sogar auf über 100’000 Hektar Land.

Weniger als 20 Hektar Fläche für Schweizer Tafeltrauben

So beeindruckend diese Zahlen sind, so sehr leiten sie uns auf eine falsche Fährte. In diesen Rebbergen wachsen nämlich fast ausnahmslos Trauben, die ein einziges Ziel haben: die Weinflasche.

In der Schweiz werden tatsächlich so wenig Tafeltrauben angebaut, dass es gar keine genauen Zahlen gibt, wie uns Herbert Zufferey vom Schweizer Obstverband mitteilt. Den Schweizer Ertrag kann Zufferey nur schätzen. Etwa 200 Tonnen pro Jahr könnten es sein, schreibt er uns.

Beim Bundesamt für Landwirtschaft weiss man wenigstens, dass sich die Anbaufläche für Tafeltrauben im Jahr 2019 auf 17 Hektar belief – 2 weniger als im Vorjahr. Bei etwa 5000 Rebstöcken pro Hektar und etwa 2.5 Kilo Ertrag pro Stock sind die 200 Tonnen also keine schlechte Schätzung von Zufferey.

99 Prozent der in der Schweiz erhältlichen Trauben sind importiert

Wie klein eine Anbaufläche von 17 Hektar wirklich ist, zeigt sich beim Blick weit in den Süden, zu den Bauernfamilien in Burkina Faso, die uns mit Cashews und Mangos beliefern. Eine Familie bewirtschaftet da im Durchschnitt 8.4 Hektar Land.

Dieser winzigen Anbaufläche steht derweil ein jährlicher Konsum von knapp 40'000 Tonnen Tafeltrauben gegenüber. Zwangsläufig kommen 99 Prozent dieser Früchte aus dem Ausland. Primär aus Italien und Griechenland. In Deutschland sieht es nicht anders aus. 2019 importierte das Land rund 317'000 Tonnen Tafeltrauben.

Und warum? Zu hohe Produktionskosten bei uns. Für Schweizer Bauern lohne es sich schlicht nicht, Tafeltrauben anzubauen, sagt Zufferey.

Die Traube reagiert ausserdem je nach Sorte sehr launisch auf das Klima. Am wohlsten fühlen sich Reben in gemässigten Zonen wie etwa dem Mittelmeerraum. Natürlich gibt es Sorten, denen es weiter im Norden auch prächtig ergeht.

Ernte 2020 in Griechenland wird qualitativ besser und ertragreicher

Genau von dort kommen auch unsere Tafeltrauben. Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes bauen Giannis Kollias und seine Familie Bio-Trauben der Sorte Soultanina an. 2020 bekommen wir ihre Früchte zum dritten Mal.

Diese Woche hat Kollias sich bei uns gemeldet und ein kurzes Update zur diesjährigen Saison durchgegeben. Er rechnet mit besserer Qualität als letztes Jahr und glaubt, dass er uns mehr Trauben liefern kann als 2019. Das einzige Problem, das er bisher hatte, war eine heftige Hitzeperiode Ende Juni. Das Thermometer kletterte während dieser Zeit auf 40 Grad Celsius. Diese ungewöhnlich hohen Temperaturen versetzten die Reben in Stress.

Die Hitze im Juni hat einige der Früchte zerstört. Giannis Kollias muss sie von Hand entfernen.

Die Hitze im Juni hat einige der Früchte zerstört. Giannis Kollias muss sie von Hand entfernen.

Seit 2014 bewirtschaften Giannis Kollias und seine Frau die Reben, die sein Vater 1990 pflanzte.

Seit 2014 bewirtschaften Giannis Kollias und seine Frau die Reben, die sein Vater 1990 pflanzte.

Konventioneller Anbau lohnt sich nicht mehr

Der Bio-Anbau von Tafeltrauben ist aber auch ohne Hitze anspruchsvoll. Giannis Kollias geht oft durch seine Felder und prüft die Trauben einzeln. Früchte, die von Schädlingen oder Krankheiten befallen sind, entfernt er. Manchmal kann er die Reben auch mit Bakterien behandeln, die die Früchte schützen.

Der ganze Anbau wäre für Kollias und seine Familie einfacher, wenn er Pestizide und Dünger verwenden würde. Doch er weiss, dass er so der Umwelt schaden und auch seine eigene Gesundheit sowie die jener Menschen gefährden würde, die die Trauben am Ende essen.

Ausserdem bekäme er für konventionell angebaute Trauben einen wesentlich schlechteren Preis und würde wahrscheinlich so enden, wie sein Nachbar. Der hat seine Felder inzwischen verlassen. Der Anbau lohnte sich für ihn nicht mehr. Genau wie in der Schweiz und Deutschland.


Verwendete Quellen

Datenbank der Eidgenössischen Zollverwaltung: Swiss-Impex

Bundesamt für Landwirtschaft: Obst- und Tafeltraubenanlagen der Schweiz 2019 (abgerufen am 15.07.2020)

Bundesamt für Landwirtschaft: Das Weinjahr 2019 (abgerufen am 15.07.2020)

Datenbank der Food and Agriculture Organization of the United Nations: FAOSTAT

Datenbank des Statistischen Bundesamtes Deutschland: Genesis-Online