Durstige Avocado

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Umwelt
Avocados wachsen in den Andentälern Perus.

Die Avocado gibt bezüglich Nachhaltigkeit viel zu reden. Vor allem ihr Wasserverbrauch steht immer wieder in der Kritik. Wie steht es dabei um die Avocado von gebana? Wir haben den Anbau in Peru unter die Lupe genommen.

Um ein Kilo Avocado zu produzieren, sind 460 Liter Wasser nötig*. Dennoch werden in Peru Avocados unter anderem in der Wüste angebaut, die sich zwischen dem Pazifischen Ozean und den Anden erstreckt. 52 Flüsse durchziehen diese Wüste und bilden Täler. Die meisten von ihnen führen aber nur 3 bis 4 Monate im Jahr Wasser. Wo kommt also das Wasser her?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir mit Rafael Pflucker und Diego Del Solar von La Grama, dem peruanischen Unternehmen das unsere Bio-Avocado exportiert, und mit Paul van den Berge vom Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL gesprochen.

In den kleinen Bauernhöfen der Täler

Die Avocados von La Grama stammen von rund 60 Bauernbetrieben. Ihre Parzellen sind in der Regel nicht grösser als 5 Hektaren. "Für Peru ist das sehr wenig. Die grossen Betriebe, die Avocados mit konventionellen Methoden anbauen, haben in der Regel eine Fläche von 50 Hektaren und mehr", erklärt Rafael Pflucker, Nachhaltigkeitsmanager bei La Grama.

Entscheidend für die Nachhaltigkeit: Die Parzellen der Bauernfamilien liegen nicht mitten in der Wüste, sondern sind entlang der Nordküste Perus in den tiefen Lagen der Täler des Chao und des Viru verstreut. "Wir pumpen nicht aus dem Grundwasser, es ist Flusswasser", sagt Pflucker. Die Flüsse der beiden Täler sind mit dem Bewässerungssystem des Chavimocic verbunden. Dieses staatliche Projekt bringt Wasser aus den Bergen über Kanäle auf die Felder. Dieses stammt vom Schnee der Anden – so sind die Bäuer:innen nicht auf Niederschläge angewiesen. Ähnlich funktionieren Bewässerungssysteme in den Schweizer Alpen.

Bewässerung: ja, aber wie?

Pflucker erklärt, dass die Bewässerung der kleinen Parzellen mit einer Reihe von Furchen auf dem Feld funktioniert. Diese Methode klingt vielleicht einfach, ist aber überraschend effektiv, wenn sie richtig durchgeführt wird: "Wir haben die Bewässerungskanäle verbessert und den Bauern erklärt, dass sie das Wasser durch die Furchen zwischen den Bäumen leiten müssen, anstatt sie zu fluten." Diese Verbesserungen der Bewässerung bezeichnet Pflucker bisher als der grösste Erfolg seines Teams.

Ist diese Bewässerungsmethode nachhaltig? Laut Paul van den Berge, Experte für ökologischen Landbau der Abteilung Internationale Zusammenarbeit des FiBl, sagt, alte Methoden seien nicht per se nicht nachhaltig: "Im Gegenteil, sie beruhen oft auf aussergewöhnlichem Know-how: Wenn diese Spezialisten eine Faust Erde nehmen, können sie schon die Qualität des Bodens beurteilen, zu Sättigungsgrade, z.B."

Dennoch gibt es laut ihm inzwischen effizientere Methoden: "Mini-Sprinkler oder Tropfbewässerung maximieren die Effizienz der Bewässerung einer Parzelle", stellt er fest. Doch moderne Sprinkleranlagen sind teuer und bedürfen ausgefeilter Methoden und Fachwissen, um den Wasserverbrauch zu optimieren. Erschwinglich ist das meist nur für grössere Plantagen.

Bio-Zertifizierung ist entscheidend

Neben der Bewässerung ist aber auch der biologische Anbau wichtig für die Nachhaltigkeit des Anbaus. 2009 kontaktierte das FiBl unseren Lieferanten La Grama, um verschiedene nachhaltige Landwirtschaftsmethoden im Hinblick auf eine Bio-Zertifizierung zu testen. Seither liefert das Institut laufend Untersuchungen und Berichte an La Grama für die Umsetzung auf den Bauernhöfen.

"Wir organisieren Workshops. Wir haben ein Team von Ingenieuren, die die Landwirte begleiten und sie bei den Anbau- und Bewässerungsmethoden beraten. Ein weiteres Team überprüft die Umsetzung dieser Massnahmen, um eine Bio-Zertifizierung zu erhalten", erklärt Rafael Pflucker.

Neben der Optimierung der Bewässerung fördert eine Bio-Zertifizierung nachhaltige Anbautechniken. Laut Diego Del Solar wird unter anderem die Bio-Diversität gefördert. Damit ist auch die Bestäubung auf den Feldern gesichert. Für mehr Bio-Diversität pflanzen die Avocado-Bäuer:innen unter anderem Hülsenfrüchte an. Diese wirken als natürliche Abdeckung, halten Feuchtigkeit im Boden und sind ein Gründünger. Auch Reihen von Maispflanzen werden eingesetzt, da sie Schutz vor Wind und Unterschlupf für nützliche Insekten bieten. In den Baumbarrieren an den Rändern der Parzellen finden Wildtiere und Bienen Nahrung und Unterschlupf.

Wettbewerb um Wasser

Der Umgang mit Wasser ist in Peru seit langem eine nationale Angelegenheit und wird von den lokalen Behörden geregelt. Wasser für den Konsum der Bevölkerung ist rechtlich geschützt und hat Vorrang vor der Landwirtschaft.

Doch innerhalb der Landwirtschaft verläuft die Verteilung der Wasserressourcen nicht ohne Probleme: "Ein überproportionaler Teil des Wassers wird von grossen Farmen beansprucht, die oft gute Beziehungen zu den lokalen Behörden haben. Die kleinen, traditionellen Plantagen haben das Nachsehen", erklärt Paul van den Berge. Diego Del Solar meint dazu: "Neben der Produktivität der Anbauflächen sind Bewässerungsfragen auch entscheidend für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Betriebe gegenüber dem Klimawandel."

Es ist also davon auszugehen, dass sich die Bewässerungsmethoden in Zukunft zwar noch verbessern, die Frage der Verteilung des Wassers sich gleichzeitig jedoch zuspitzt.

*Durchschnittswert Kubikmeter Bewässerungswasser pro Kilo Produkt für Chile: 1.371 und für Peru: 0.876.

Quelle: Chapagain, A. K. and A. Y. Hoekstra (2004). Water footprints of nations, Volume 2: Appendices. Value of water, research report series no. 16. Delft, Netherlands