Direkter Handel – was ist das?

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Kritisch

«Direkt vom Bauern» – das sagen nicht nur wir von gebana, das suggeriert heute sogar der Supermarkt. Wo liegt denn da der Unterschied?

«Alle Akteure sollen sich an einen Tisch setzen und über den Preis verhandeln», das war der Traum von Ursula Brunner, einer der gebana-Gründerinnen. So sollte der Handel direkt, möglichst fair und transparent werden. Und damit einen Gegenpol zum heutigen Lebensmittel-Welthandel setzen.

Denn um Produkte für den Handel, Import und Export auf den Weg zu bringen, werden sie üblicherweise standardisiert. Form, Farbe, Grösse – alles ist ähnlich, vergleich- und bewertbar. Dasselbe gilt auch für die Zertifizierungen, sie sind einfach eine standardisierte Eigenschaft mehr. Von wem das Produkt kommt, welchen Weg es hinter sich hat und durch wie viele und welche Hände es ging, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Und es spielt für den globalen Handel auch keine Rolle. Denn wichtig ist einzig der Preis, zu dem die Ware eingekauft wird. Und dieser soll möglichst tief sein. Zwar geht ein tiefer Preis glücklicherweise oftmals mit einer hohen Effizienz einher, welche Ressourcen schont und damit der Umwelt zu Gute kommt – aber oft eben auch nicht. Das zeigt das Beispiel der Cashewnüsse, die für die Einsparung weniger Cent pro Kilo zum Knacken von Westafrika nach Asien transportiert werden. Das ist weder direkt gehandelt, noch umweltschonend oder im Ursprungsland wertschöpfend, könnte aber trotzdem unter einem «Fair Trade» Label verkauft werden.

Denn die Aussagekraft der Fair Trade Zertifizierung ist naturgemäss begrenzt. Hier wird ebenfalls standardisiert und damit gehen Informationen über die Bedürfnisse der Produzenten, deren Bezahlung, Informationen zum Anbau und schliesslich auch über den Weg vom Feld zu den Konsumenten verloren – und demzufolge auch das Gefühl für Verantwortung.

Das wird auch einer ständig wachsenden Zahl von Konsumentinnen und Konsumenten bewusst. Die Unternehmen reagieren schnell, indem sie sich immer öfter auf die Fahne schreiben, die Produkte direkt beim Produzenten zu beziehen. «Direkt vom Bauern» wird zu einem Trend.
Oftmals sind das aber leider nur Marketingslogans, in den meisten Fällen ein frommer Wunsch, in wenigen anderen ist die Handelskette wirklich «direkter». Nebulöse Umwege passieren dabei nicht einmal aus einer schlechten Absicht heraus. Der globale Handel ist so komplex und oft äusserst intransparent, dass es fast unmöglich ist, die gesamte Handelskette zu erfassen.

Handelskette

Eine konventionelle Lebensmittel-Handelskette ist häufig lang und komplex – und meistens auch sehr intransparent. Unser Anspruch ist, sie möglichst komplett abzudecken.

Das wissen wir aus eigener Erfahrung. Und darum auch um die Wichtigkeit, direkte Handelskanäle zu Bauernfamilien und Verarbeitern selbst aufzubauen, statt die Produkte über die üblichen Wege zu beziehen. Denn nur so weiss man wirklich, woher das Produkt kommt, wie es verarbeitet wurde und dass das Geld dafür auch tatsächlich am richtigen Ort ankommt.

Dabei stehen wir an vielen Orten noch lange nicht da, wo wir mit unserer Vorstellung von Kontrolle, Information und Verantwortung hin wollen. Aber wir werden besser. Dort, wo wir die ganze Lieferkette selber abdecken, investieren wir noch mehr in die direkte Beziehung zu den Bauern. Und bei jenen Produkten, die wir zukaufen, rücken wir näher an die Produzenten heran und kaufen direkter ein.

Was das konkret bedeutet? Wir stellen Ihnen im hier zwei Initiativen vor, welche zeigen, was es für uns heisst, direkter zu handeln. Wir wollen uns so Schritt für Schritt verbessern – so lange bis unsere Handelsketten wirklich so direkt und transparent sind, als sässen wir alle an einem Tisch.