gebana wird 20!

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Einblicke weltweit

Kommen Sie mit uns auf eine Reise zu unseren Anfängen, durch Höhen und Tiefen – durch 20 sehr bewegte und bewegende Jahre.

1973 ist das Geburtsjahr der «Bananenfrauen». Eine Gruppe von Frauen beginnt damit, Menschen auf den Strassen mit den harten Arbeitsbedingungen auf Bananenplantagen zu konfrontieren – und aufzuzeigen, wie dies mit den günstigen Preisen für Bananen in der Schweiz zusammen hängt. Die Gruppe wächst und wird zu einer Bewegung. Mit Aktionen wie dem Verkauf von Bananen gegen einen Aufpreis, welchen sie in Projekte in den Bananenplantagen investieren, sorgten sie für viel Aufsehen. Schliesslich mischen sie sich aktiv in den Bananenhandel ein. Als 1997 dann die ersten Fair Trade zertifizierten Bananen auf den Markt kommen, scheinen die Bananenfrauen – damals schon bekannt als «Verein gebana» (abgekürzt für «Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel») – am Ziel.

Doch zufrieden sind sie mit der Entwicklung nicht: Wird der Handel durch das Festlegen von Kriterien und die Einführung eines Label tatsächlich gerechter? Nein! Der Vorstand des gebana Vereins ist überzeugt, dass es noch viel zu tun gibt. Das ist die Geburtsstunde der gebana, wie Sie sie heute kennen.

1998

Im August 1998 wird die gebana als Handelsunternehmen gegründet. Ziel ist es, Handelsketten aufzubauen, die sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig sind und damit den globalen Handel gerechter machen. Als erstes Produkt soll Bio-Soja von Kleinbauernfamilien in Paraná, Brasilien, gehandelt werden.

1999

Die erste, von gebana vorfinanzierte Bio-Soja aus Brasilien wird vom holländischen Importpartner in dreister Weise an eigene Kunden anstatt an gebana geliefert. Kaum gestartet befindet sich das junge Unternehmen bereits in einem Rechtsstreit.

2000

Neben dem Sesamriegel Barrita und den Dörrbananen, die noch aus der Zeit des gebana Vereins stammen, werden weitere gebana Markenprodukte entwickelt: mit Schokolade umhüllte Trockenfrüchte mit wohlklingenden Namen wie «Salsa», «Mambo» und «Merengue». Extra dafür werden 2001 erstmals getrocknete Mangos direkt von Produzenten in Burkina Faso sowie getrocknete Ananas aus Togo importiert. Doch um einen der umkämpften Plätze in den Regalen der Supermärkte zu ergattern sind Investitionen nötig, die gebana nicht tätigen kann. 2002 wird das Projekt «Markenartikel» darum wieder eingestampft.

2001

Nachdem die gebana drei Jahren als Mandat der Beratungsfirma BSD geführt wurde, stellt sie erstmals eigenes Personal ein. Deren erste Aufgabe: Investoren suchen.

2002

Aufgrund der prekären finanziellen Lage erfolgt der Kapitalschnitt. Es entbrennen heftige Diskussionen um die Weiterführung der Firma. Doch an Aufgeben ist nicht zu denken. In Brasilien über-nehmen japanische Investoren unsere Partnerfirma – und wollen uns loswerden. Um die Zusammenarbeit mit den Bauernfamilien vor Ort sicherzustellen, wird darum noch im gleichen Jahr die Tochterfirma gebana Brasil gegründet.

Zwar entwickeln sich die Verkäufe im Rohwarenhandel gut, aber die Anforderungen des Marktes und die Abhängigkeiten von Grosskunden sind hoch. Gleichzeitig sind grosse Geldsummen für die Vorfinanzie-rung der Ernten nötig – das macht das Geschäft riskant. Deshalb startet gebana mit einem neuen Projekt: Produkte aus dem Ursprung sollen via Versandhandel direkt an Konsumentinnen und Konsumenten verkauft werden. Der gebana Direktversand ist geboren! Dieser Geschäftszweig wird sich in den nächsten Jahren als Schlüssel zur Stabilisierung des riskanten gebana Geschäftsmodells erweisen.

Darüber hinaus startet gebana in Tunesien die Zusammenarbeit mit Dattelbauern.

Zeichnung_Direktversand

2004-2005

2004 entpuppt sich als sehr schwieriges Jahr für den Rohwarenhandel. Es droht die erneute Überschuldung, die 2005 aber abgewendet werden kann. gebana fokussiert sich darum noch
stärker auf den Direktversand.

2006

Auf der Suche nach Finanzierung geht gebana neue Wege: Wir nehmen Darlehen von Privatpersonen an und geben erstmals Partizipationsscheine aus. Unter dem Motto «Lieber viele kleine Geldgeber statt wenige Grosse» wird gebana unabhängiger von Banken und zur Vorreiterin des erst viel später einsetzenden Trends der Crowd-Finanzierung. Um den Einkauf von getrockneten
Mangos in Burkina Faso besser zu strukturieren und zu kontrollieren, wird vor Ort die Tochterfirma gebana Afrique gegründet.

2007-2008

gebana entwickelt sich prächtig und schreibt 2007 zum ersten Mal schwarze Zahlen. Das 10-jährige
Jubiläum wird entsprechend optimistisch gefeiert, denn nach einigen Startschwierigkeiten scheint das funktionierende Geschäftsmodell endlich gefunden.

2009

gebanas Rohwarenhandel bekommt die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise mit voller Wucht zu spüren, der Direktversand wächst aber zum Glück weitgehend unbeeindruckt weiter.

2010

Nun trifft die Wirtschaftskrise auch den Direktversand – dieser stagniert. Doch es droht noch weit grösseres Ungemach: In der gesamten Bio-Sojaernte in Brasilien werden Spuren des Pestizids Endosulfan gefunden. Ursache ist dessen Einsatz durch konventionelle Bauern der Umgebung. Durch Luft und Regen gelangt es in die Umwelt und wird in den Bohnen akkumuliert. Die Ernte gilt als kontaminiert und ist zunächst unverkäuflich. Unsere Tochterfirma gebana Brasil steht dadurch am Abgrund und droht das ganze Unternehmen mitzureissen. Zusammen mit den Sojabauern in Brasilien lanciert gebana die Protestaktion «Chega! – Es reicht!». Das zeigt Wirkung: Das in Europa längst verbotene Endosulfan wird auch in Brasilien vom Markt genommen! Zwei Jahre später kann gebana Brasil saniert werden – und entwickelt sich schliesslich zum erfolgreichsten Tochterunter-nehmen der gebana.

Zeichnun_Chega

2011

Die Jasminrevolution in Tunesien und die Revolte in Burkina Faso erschweren uns zeitweise die Arbeit. Doch die Tochterfirmen selbst entwickeln sich gut und wir investieren in Burkina Faso in eine eigene Cashewfabrik. Dadurch sollen mehr Nüsse noch vor Ort geknackt und geschält werden. In den nächsten Jahren schafft die Cashewfabrik rund 400 Arbeitsplätze.

2013-2016

gebana erlebt regelrechte Boom-Jahre: Sowohl der Direktversand, die Tochterfirmen als auch der Rohwarenhandel wachsen stark. gebana erhält mehr Struktur und das Team in der Schweiz wird mit Experten verstärkt. Der gebana Direktversand verschickt erstmals frische Bio-Orangen aus Griechenland. Diese kommen sehr gut an und entwickeln sich in den nächsten Jahren zu einem der wichtigsten Produkte. 2016 erzielt gebana das beste Resultat in ihrer Geschichte.

In diesen Jahren wächst auch die gebana Familie rastant! Neben getrockneter Ananas handeln wir in Togo inzwischen auch mit Kakao. Als dann noch Bio-Soja dazu kommt, entscheiden wir uns hier ein weiteres Tochterunternehmen zu gründen. Und schon 2016 erblickt unser nächstes Baby das Licht der Welt: Für die Produktion von Bio-Cashews entsteht in Benin eine Tochterfirma als Joint Venture mit dem Schweizer Grossverteiler Coop.

2017

Der Boom findet ein jähes Ende: gebana Afrique schlittert in eine grosse Krise. Zwar hatten sich finanzielle Schwierigkeiten bereits im Jahr zuvor abgezeichnet, doch massiv steigende Cashew-Einkaufspreise, eine schlechte Mangoernte und gleichzeitig notwendige Investitionen in Prozesse und Management führen zum Kollaps. Macht es überhaupt Sinn weiter zu machen, oder wäre es besser aufzuhören? Die Diskussion darüber macht uns bewusst, dass Unternehmen an schwierigen Orten aufzubauen das Herzstück der gebana ist. Dazu braucht es Mut und Ausdauer – und die haben wir schon mehrfach bewiesen. Also starten wir die Aktion «Neustart in Burkina Faso», einen Vorverkauf von getrockneten Mangos und Cashew-nüssen über fünf Jahre.

Zeichnung_Neustart

2018

Dank der Unterstützung der bisherigen und neuen Investoren, Handelspartnern sowie 2'841 Privatpersonen startet unsere Tochterfirma unter dem Namen gebana Burkina Faso neu. Die Krise in Burkina Faso hat gezeigt, dass unser Geschäftsmodell immer noch ein herausforderndes ist. Doch gebana hat inzwischen die Grösse, Struktur und vor allem viele gleichgesinnte Unterstützer, um solche Schwierigkeiten zu überstehen.

Und was bringt die Zukunft? Wir wissen es nicht, haben aber Pläne: Die stützende Rolle des Direktversandes soll in Zukunft durch die Expansion in weitere EU-Länder verstärkt werden, die Tochterunternehmen im Ursprung sollen nach und nach selbstständiger werden und die Bauern sollen stärker profitieren. Eines ist jedoch sicher: Es bleibt spannend! Schön, dass Sie bei unserer weiteren Reise dabei sind!