Zeichen setzen gegen die Mafia

zurück zur Übersicht

Die Pasta von Libera Terra ist alles andere als gewöhnlich. Das liegt zum einen an der Herstellungsart, ganz besonders aber an dem Boden, auf dem die Rohstoffe dafür angebaut werden. Denn diese sind zuvor von der Mafia konfisziert worden!

Libera Terra

gebana: Für uns Nicht-Italiener ist Pasta gleich Pasta. Gibt es da wirklich Unterschiede?

Libera Terra*: Ja, da gibt es schon Unterschiede! Unsere Libera Terra Pasta kommt nicht aus industrieller Massenproduktion. Um die organoleptischen Eigenschaften des Rohmaterials zu erhalten, wird der Hartweizengrieß bei unter 40°C kaltgemahlen und der Pastateig bei einer mittleren Temperatur von 68°-70°C getrocknet. So dauert die Herstellung zwar länger, ist aber schonender. Zudem wird unsere Pasta durch Formen aus Bronze getrieben. Dies macht die Oberfläche porös – sehen Sie, die ungekochte Pasta ist leicht weisslich. Dank der porösen Oberfläche saugen sich Spaghetti etc. mit Sauce voll – und die Sauce macht ja schliesslich ein Pastagericht aus!

gebana: Woher stammt der Weizen für die Libera Terra Pasta?

Libera Terra: Der Hartweizen für Libera Terra kommt von Kooperativen, die auf Land anbauen, das von der Mafiakonfisziert wurde sowie von Bauern im Süden, die unsere Prinzipien teilen. Genau genommen kommt der Hartweizengries von neun verschiedenen Kooperativen. Sechs davon sind auf Sizilien, drei auf dem Festland in Süditalien.

Dort bauen sie ganz unterschiedliche Produkte an, alle nach biologischen Richtlinien. Dass die Vollkorn-Pasta noch nicht bio-zertifiziert ist, hat damit zu tun, dass immer wieder neue, konfiszierte Landstücke hinzukommen. Der Anbau erfolgt zwar von Anfang an biologisch, aber es braucht eine mehrjährige Umstellungszeit, bis die Produkte „bio“ genannt werden dürfen.

gebana: Können Sie erklären, wie der Anbau auf von der Mafia konfisziertem Land funktioniert?

Liberra Terra: Libera Terra wurde von der Initiative „Libera (Freed) Associations, Names and Numbers Against Mafia Organzisations“ gegründet. Im Jahr 1995 förderte diese eine bundesweite Petition, um das italienische Parlament dazu zu bringen, ein Gesetz zu verabschieden, das die Wiederverwendung von Vermögenswerten durch Sozial-Kooperativen ermöglicht, die von mit dem organisierten Verbrechen verbundenen Personen beschlagnahmt wurden.

Mehr als eine Millionen Menschen unterzeichneten die Petition, woraufhin ein Gesetz erlassen wurde, das besagt, dass von der Mafia konfiszierte Güter, die an den Staat übergehen, entweder von Sozial-Kooperativen, die 30% benachteiligte Arbeitnehmer integrieren, oder von der Öffentlichkeit genutzt werden sollen. Die Mitglieder jeder Genossenschaft werden durch eine öffentliche Auswahl ausgesucht und dann mit der Verwaltung und Bewirtschaftung ebendieser konfiszierten Grundstücke beauftragt.

2001 entstand dann die erste Landwirtschaftskooperative hier in San Guiseppe Jato in Sizilien, die bis heute Wein, Weizen und weitere Produkte produziert.

gebana: Ist das nicht gefährlich für die Produzenten, auf von der Mafia konfiszierten Ländern zu arbeiten?

Libera Terra: Der Beginn war schwierig. Viele Dienstleister, aber auch Arbeiter wollten aus Angst nicht mit der ersten Kooperative zusammenarbeiten. Zudem sind die Grundstücke häufig in schlechtem Zustand, ehe eine Genossenschaft beginnt, sie zu bewirtschaften. Da hatten wir viele Hindernisse zu überwinden.

Heute sind die Libera Terra Kooperativen in ganz Italien bekannt. Sie gelten als konkretes und erfolgreiches Beispiel für soziales Unternehmertum, das mit der Unterstützung durch die örtlichen Gemeinschaften Arbeitsplätze schafft, benachteiligte Menschen beschäftigt und die Verbreitung von organischen und nachhaltigen Produktionsprozessen fördert. Gleichzeitig zeigt der Erfolg der Libera Terra Produkte auf dem Markt, dass mit einer sozialen Wiederverwendung der von den Mafias beschlagnahmten Eigentümer und einem qualitätsbasierten Geschäftsmodells, ein tugendhaftes Wirtschaftssystem funktionieren kann.

Libera Terra Pasta ist allen Bürgern gewidmet, die mit bedingungsloser Liebe und anstrengender Hingabe beweisen, dass das demokratische, friedliche, einladende, kulturelle und künstlerische Italien stärker ist als der Zerfall, der durch Mafia, Korruption und Unehrlichkeit verursacht wird.

Eines der Lieblings-Gerichte der Kooperativen-Mitglieder sind Spaghetti mit gebratenen Zucchini. Das Rezept dazu finden Sie jetzt hier!

*Liberra Terra versteht sich selbst als Gemeinschaft und möchte auch nach aussen hin so auftreten. Namen und Gesichter von Mitgliedern der Kooperative sollen daher ausdrücklich nicht gennant bzw. gezeigt werden.