Wenn Sie schon mal eine frische Mango gegessen haben, eine richtig schön nachgereifte, aromatische Mango, dann wissen Sie es: Für diesen Geschmack gibt es keinen Ersatz. Das Problem mit unseren frischen Mangos ist: Wir haben sie nur während zwei Monaten im Jahr.
Diese kurze Saison soll künftig länger werden. Mit Mangos aus Europa, genauer aus der Region um die spanische Stadt Motril. Die spanische Landwirtschaft hat allerdings den Ruf, Landarbeiter:innen und Erntehelfer:innen auszubeuten und das ganze Land in Wassernot zu stürzen.
Dass gebana vor diesem Hintergrund frische Mangos von dort beziehen will, ist gewagt. Natürlich kaufen wir die Früchte nicht von irgendwem, sondern von Produzent:innen, die nach hohen Standards zertifiziert sind. Doch reicht das aus?
Wir fanden: Nein, wir müssen uns selbst ein Bild machen. Und genau das haben wir getan. Anfang September 2026 reiste eine kleine Delegation von gebana nach Motril an der Costa Tropical und besuchte die Genossenschaft Procam, die uns mit den Früchten beliefert.
Zum Nachlesen: Was in Südspanien schieflief
Der Name, der rund um die dramatischen Zustände in der spanischen Landwirtschaft immer wieder fällt, ist Almería: das "Plastikmeer", kilometerweit Gewächshäuser, Berichte über prekäre und illegale Arbeitsbedingungen, synthetischer Dünger in eigentlich bio-zertifizierten Kulturen, Wasserstress. Diese Herausforderungen sind gut dokumentiert. Die EU führte 1991 eine Bio-Verordnung ein, ab 1996 kamen Umstellungsförderungen dazu – doch der eigentliche Wandel kam langsam, und er betrifft nicht nur das Bio-Label: Strengere Vorschriften zur Bodenbehandlung (Verbot bestimmter Bodendesinfektionsmittel) haben auch die konventionelle Landwirtschaft verändert.
Empfehlungen
- Arte – Re: Das Plastikmeer von Almería
- taz – Biogemüse aus Spanien
- SRF Kassensturz – Ausbeutung im Gewächshaus
- Der Bund – Fünf Euro Stundenlohn
- Heinrich-Böll-Stiftung – Gemüseanbau Spanien
Wichtig: Almería, wo sich diese Skandale konzentrieren, und Motril/Costa Tropical, wo Procam sitzt, liegen in zwei unterschiedlichen Provinzen derselben Region Andalusien – in den Medien werden sie aber oft als "südspanische Landwirtschaft" in einen Topf geworfen. Zum Vergleich: Andalusien ist doppelt so gross wie die ganze Schweiz!
Wir treffen eine Pionier-Genossenschaft
Die Kooperative Procam wurde 1983 gegründet. Damals produzierten noch alle Mitglieder konventionell. Die Umstellung auf Bio-Anbau erfolgte zwischen 2006 und 2007. In den Räumen der Genossenschaft in Motril hängt sogar eine Gedenktafel: zuerst "diez años" (zehn Jahre), dann "veinte de ecológico" (zwanzig Jahre Ökologie). Laura Fajardo, Koordinatorin der Handelsabteilung, die wir vor Ort treffen, bringt es auf den Punkt: "Wir waren eines der ersten Unternehmen der Region, die diesen Schritt zur ökologischen Landwirtschaft getan haben."
Der eigentliche Bio-Boom in Andalusien begann erst nach 2020: Innerhalb von nur drei Jahren stieg die Zahl der Bio-Betriebe um 35 Prozent gemäss einem Bericht der andalusischen Regierung. Procam war also bereits 15 Jahre voraus. Und das in einer stark landwirtschaftlich geprägten Region. Die Landwirtschaft macht an der Costa Tropical 36.5 Prozent der Unternehmen aus (gegenüber 22 Prozent im andalusischen Durchschnitt).
Laura Fajardo beschreibt, was die Umstellung konkret für die Genossenschaft bedeutete: "Was sich verändert hat, ist unsere Sichtweise auf die Produktion. Wir mussten lernen, viel präventiver statt reaktiv zu arbeiten, mit Fokus auf die Bodengesundheit, die Biodiversität, die Vorbeugung von Krankheiten und das natürliche Gleichgewicht der Kulturen."
Die Procam-Mangos sind bio-zertifiziert – ein anspruchsvolles Pflichtenheft, sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht. Wie sieht es vor Ort aus? Auf einem der Felder, die wir besuchen, zeigt sich das konkret: Rund 70 Prozent der Fläche bleiben der Natur überlassen, mit Hangvegetation und geschützten Pinien. Die Äste, die vor der Blüte geschnitten werden, bleiben gehäckselt als Mulch auf dem Boden liegen. Das nährt ihn und schützt ihn vor Erosion.
Die richtige Unterstützung für selbstständige Produzent:innen
Auf den Feldern treffen wir zwei Experten der Kooperative. Eduardo Maldonado, landwirtschaftlicher Techniker, seit über 25 Jahren mit Procam verbunden – schon sein Vater hat dort gearbeitet – und Manuel Barba. Auch er ist Techniker und selbst Landwirt. Er hat sich für Bio entschieden, "um für den Boden, die Pflanzen zu sorgen und den kommenden Generationen einen gesunden Boden und eine gesunde Haltung zu hinterlassen."
Auf die Frage nach dem Wort, das ihre Arbeit am besten beschreibt, antworten beide: Ausdauer. Eduardo Maldonado erklärt das mit der Seltenheit ihres Profils: Ihre Zertifizierungen – EU-Bio, Bio Suisse, GLOBALG.A.P. und Naturland – erfordern eine sehr spezifische Ausbildung. "Es gibt in der Branche nicht viele Leute, die das alles gleichzeitig beherrschen", sagt er.
Beide betreuen und begleiten die rund 200 Mitglieder von Procam. Konkret heisst das, den Produzent:innen dabei zu helfen, ihre Zertifizierungen zu erhalten und ihre Kulturen so zu planen, dass Mangos, Avocados und Gemüse zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt kommen können.
Bei Ernteausfällen bietet die Kooperative gezielte Unterstützung, unter anderem durch Beratung für die Produzent:innen. Das Team der Kooperative zeigt ihnen, wie sie staatliche Hilfe beantragen können, und prüft, ob der Betrieb die Voraussetzungen erfüllt.
Die Kooperative verlangt für all das nur so viel von den Mitgliedern, dass ihre Kosten gedeckt sind. Vom Verkaufspreis zieht sie nur Kosten für den laufenden Betrieb ab, wie etwa Verpackung, Transport und die Löhne für die Techniker und Beratungsfunktionen. “Der Rest geht vollständig an die Landwirte", sagt Laura Fajardo.
Die zentrale Frage nach dem Wasser
Einer der Gründe für unseren Besuch: die Bewässerung. Auch an der Costa Tropical ist Wasser knapp. Die Grundwasservorkommen stehen unter Druck, an manchen Orten dringt Meerwasser ein. Deshalb fragen wir genau nach, woher das Wasser für unsere Früchte kommt.
Angesprochen auf das Thema beschreibt Eduardo Maldonado ein System, das viel stärker reguliert ist, als man denkt: "Die Wasserverteilung hier in unserer Zone läuft über den südlichen Flusseinzugsverband, die offizielle Behörde, die über die Bewässerungsgemeinschaften reguliert – sie sind es letztlich, die die Landwirtschaft versorgen." Konkret verfügt jeder Betrieb über einen Zähler, sichtbar am Eingang des Hofes, der den gesamten Verbrauch erfasst.
Zur Herkunft dieses Wassers betont Eduardo Maldonado einen Punkt, der die Region auszeichnet: "Die Quelle ist die Sierra Nevada – ein Gebiet mit viel Schnee, das uns kontinuierlich mit Wasser versorgt." Das Ergebnis, zum Zeitpunkt unseres Besuchs mitten im Spätsommer: "Wir befinden uns bereits im September und haben die kritischste Phase des Sommers hinter uns. In unserer Region weist der Stausee Rules gerade einen Füllstand von 92 Prozent auf, die benachbarten Stauseen derzeit etwas über 74 Prozent; wir verfügen somit über eine problemlos gesicherte Wasserversorgung."
Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass diese Wasserreserven durch das Schmelzen der Schneevorräte gefüllt werden. Durch den Klimawandel beschleunigt sich dieses Abschmelzen. Diese Schneereserven sind in Spanien ebenso endlich wie die Gletscher in der Schweiz. Diese Entwicklung müssen und werden wir genau im Auge behalten, sollten die Mangos aus Spanien einen festen Platz in unserem Sortiment erhalten.
Die terrassenförmig angelegten Felder von Procam liegen an den Hängen über dem Meer, inmitten einer kargen, trocken wirkenden Landschaft. Da drängt sich die Frage nach dem Wasser geradezu auf (auf dem ersten Bild sind Avocadobäume zu sehen).
Und die Arbeiter:innen?
Die Frage nach den Arbeitsbedingungen auf den Feldern und während der Ernte beantwortet Procam bereits, bevor wir sie stellen können. "Bei uns arbeiten keine Wanderarbeiter:innen”, sagt Laura Fajardo. "Es sind in der Regel Leute aus der Region, die Jahr für Jahr wiederkommen – manche haben sich hier sogar niedergelassen."
Was die Sozialaudits betrifft, sind die Produzent:innen von Procam nach GLOBALG.A.P. zertifiziert und werden zusätzlich nach GRASP (GLOBALG.A.P. Risk Assessment on Social Practice) bewertet. Dieses Zusatzmodul geht über die Arbeitssicherheit hinaus und prüft auch Arbeits- und Menschenrechte, die Vertretung der Arbeitnehmenden sowie den Schutz von Kindern und jungen Arbeitskräften. Eduardo Maldonado spricht von einer regelmässigen Kontrolle alle sechs Monate: "Die letzte Inspektion der zuständigen Zertifizierungsstelle Anfang Juni verlief zufriedenstellend. Wir hatten keine Abweichungen." Er fügt hinzu: "Alle Verträge sind in Ordnung, die Arbeitszeiterfassung stimmt, es gab keine Arbeitsunfälle."
Mangos für wen?
Von den 200 Produzent:innen bei Procam bauen nur fünf Mangos an. Sie kultivieren die Sorten Osteen und Keitt, die sich im Klima der Costa Tropical wohlfühlen und ein ausgewogenes Geschmacksprofil mit balancierter Süsse und Säure haben. Osteen ist frühreifend, Keitt spätreifend. Letzteres erlaubt es, die Ernte von September bis November zu strecken, statt sie auf wenige Wochen zu konzentrieren.
Warum bauen nur fünf von ihnen Mangos an? Die Nachfrage nach Mangos aus Südspanien ist aktuell noch klein. Und vor allem kommt sie aus dem Ausland: 95 Prozent der Produktion von Procam – mehrheitlich Avocados, aber auch Tomaten und Gurken – gehen in den Export. Nur ein kleiner Rest geht an lokale Bio-Läden. Vor Ort bleibt der Preis für die lokalen Konsument:innen oft das entscheidende Kriterium – wer auf hochwertigere Ernährung setzt, baut eher selbst an.
Unabhängig von diesem Konflikt zeigen die Mitglieder von Procam, dass echter Wandel in der Landwirtschaft möglich ist und unser Bild von Spanien in dieser Hinsicht zu einseitig ist. Ob das für spanische Mangos im gebana Sortiment ausreicht, entscheiden wir am Ende der Saison. Auch Ihre Rückmeldungen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Verwendete Quellen
Junta de Andalucía, Consejería de Agricultura, Pesca, Agua y Desarrollo Rural. Producción Ecológica de Andalucía – Balance 2024. 2025. cdn.juntadeandalucia.es/.../DECO25_Balance_estadistico_2024_v2.pdf (abgerufen am 24.09.2026)
Universidad de Granada (UGR). Un estudio de la UGR analiza la contribución del sector agroalimentario en la Costa Tropical a la economía de la provincia de Granada. Diciembre de 2022. canal.ugr.es/.../un-estudio-de-la-ugr-analiza... (abgerufen am 24.09.2026)