Als Apostolis Mylonakis 2011 in sein Dorf im Westen Kretas zurückkehrte, hielt man ihn für verrückt. Ein Maschinenbauingenieur, der viele Jahre in Tschechien und Berlin gearbeitet hatte, gibt seinen Job auf, um das Land seiner Eltern und Grosseltern zu bewirtschaften? Biologisch noch dazu. Zu einer Zeit, als in der Region bio niemanden interessierte.
"Meine Antwort war damals: Warum ist das verrückt? Wir tragen Verantwortung für die Gesundheit unserer Kinder und der Menschen, die hier leben. Das hat Priorität", sagt Apostolis. "Als ich nach all den Jahren wieder nach Griechenland kam, sagte ich mir ausserdem: Das hier ist mein Spielplatz. Es ist der Ort, an dem mein Herz stärker schlägt. Der Bürojob war wirklich schön – aber das hier liebe ich mehr."
Heute arbeiten 116 Bauernfamilien in dem Netzwerk, das um Apostolis entstanden ist – neben Avocados bauen sie auch Zitrusfrüchte und Oliven an. Ab November 2026 beziehen wir unsere Avocados ausschliesslich von diesen Produzent:innen. Denn in Kenia geht es nicht weiter: Wir können die Avocados wegen der Lage im Roten Meer seit Jahren nicht mehr verschiffen und haben seither auf Flugfracht gesetzt. Das allein ist für uns schon problematisch genug.
Dazu kommt die neue EU–Bio–Verordnung für Lebensmittel, die ausserhalb der EU produziert werden. Sie veranlasste unseren Partner in Kenia dazu, statt mit vielen Kleinbauernfamilien zusammenzuarbeiten, eine eigene Grossplantage aufzubauen. Das passt nicht mehr zu gebana. Deshalb richten wir uns nun vollständig auf Kreta aus.
Ein Ort wie gemacht für Avocados
Die Felder auf Kreta liegen rund 12 Kilometer vom Meer entfernt oberhalb der Stadt Chania in den Ausläufern der Weissen Berge, die Lefka Ori. Bis zu 2458 Meter sind sie hoch und oft bis in den Mai hinein schneebedeckt. Ihr Schmelzwasser speist Bäche, die zum Teil direkt an den Feldern vorbeifliessen.
Es sind Felder, die nicht vergleichbar sind, mit den Monokulturen in anderen Regionen Südeuropas. "Man sieht nie einfach nur Avocados", sagt Apostolis. "Dazwischen wachsen Orangenbäume, Olivenbäume, hier und da ein kleiner Garten für die Familie. Das alles zusammen ergibt etwas Lebendiges."
Woher kommt das Wasser?
So schön wie das klingt, die Avocado steht ihres Wasserverbrauchs wegen in der Kritik; wir selbst haben das in der Vergangenheit mehrfach thematisiert. Und diese Kritik ist berechtigt. Vor allem dann, wenn sie in trockenen Regionen wie Südspanien, Chile oder Peru angebaut wird.
Im Westen Kretas liegen die Dinge jedoch anders: Im Winter gibt es viel Niederschlag und das Schmelzwasser aus den Bergen liefert grundsätzlich genug Wasser. Entscheidend ist, wie man damit umgeht: Ausnahmslos alle Bauernfamilien im Netzwerk von Apostolis setzen auf Tröpfchenbewässerung, die sie nur in den trockenen Sommermonaten nutzen. Sprinkler sind komplett verboten.
Apostolis selbst geht hier als Pionier noch weiter und zeigt den anderen Produzent:innen, wie wenig Wasser wirklich nötig ist. Er bewässert nur rund 45 Minuten pro Woche, was etwa 24 Liter pro Baum entspricht. Apostolis lässt ausserdem das Gras, das er regelmässig zwischen den Bäumen schneidet, als Mulch liegen und hat rund um die Bäume Hülsenfrüchte gesät. Beides bedeckt die Flächen und hält die Feuchtigkeit im Boden.
Zusätzlich schneidet er die Kronen seiner Bäume so, dass die Äste fast bis auf den Boden reichen und eine Art Zelt bilden. Innerhalb dieser "Zelte" entsteht ein Mikroklima mit tieferen Temperaturen und mehr Feuchtigkeit. "Ich beweise allen, dass es funktioniert", sagt er, "weil ich jedes Jahr ernte." Immer mehr der Produzent:innen würden es ihm deshalb gleichtun, sagt er.
Ein Regenwasserreservoir soll für mehr Unabhängigkeit sorgen
Das eigentliche Wasserproblem sieht Apostolis ohnehin nicht auf den Feldern, sondern im Tourismus. Wasser aus den Dörfern werde an die Küste umgeleitet, zu Hotels mit Pools und Rasenflächen; der Staat investiere in Tourismus-Infrastruktur, kaum aber in die Landwirtschaft, kritisiert er. 2025 fiel die öffentliche Wasserversorgung gemäss Apostolis zeitweise komplett aus.
Statt auf die Politik zu warten, plant Apostolis deshalb ein Regenwasserreservoir mit rund 15'000 Kubikmetern – genug für vier Saisons, notfalls auch als Trinkwasserreserve fürs Dorf. "Das wird etwa 100'000 Euro kosten. Für einen Investor ist das vielleicht nichts, für uns ist es sehr viel. Wenn wir einen Geldgeber finden, werde ich 0,3 Hektar meines Landes hergeben für das Reservoir – kostenlos."
Überzeugt sind von der Idee des Reservoirs längst nicht alle. Manche Bauernfamilien halten das Projekt gar für unnötig – auf Kreta habe es doch immer Wasser, sagen sie. Das sei naiv und kurzsichtig, sagt Apostolis. "Wir brauchen das Reservoir, und zwar dringend."
Qualitätskontrolle ist Familiensache
Unabhängig von dieser Uneinigkeit scheint sich die sorgsame, auf die Natur ausgerichtete Arbeitsweise der Bauernfamilien rund um Apostolis Mylonakis auszuzahlen. 2025 stellten sie mit ihren Früchten den europäischen Rekord für Trockenmasse in Avocados auf. 38.9 Prozent wurden gemessen.
Die Trockenmasse ist ein Indikator für die Qualität und Reife einer Frucht. Die EU verlangt je nach Sorte einen Mindestwert zwischen 19 und 21 Prozent für Avocados, die in den Verkauf gehen sollen.
Für alle, die mit Trockenmasse nichts anfangen können, haben wir einen anderen Indikator: Die ersten Früchte, die wir im Jahr 2025 von Kreta an unsere Kund:innen verschickt haben, hatten eine Reklamationsquote von 0,42 Prozent. Das ist einer der tiefsten Werte in unserem gesamten Sortiment.
Vielleicht war das Glück. Apostolis sieht darin jedoch eher eine Bestätigung seiner Philosopie: "Wir testen die Früchte zu Hause mit unseren Kindern. Wenn sie uns schmecken, geben wir sie weiter. Wenn nicht, verschicke ich nichts – selbst wenn jemand darauf besteht."
Die gebana Prämie ist zu schön, um wahr zu sein?
Die Zusammenarbeit mit Apostolis und den Bauernfamilien in seinem Netzwerk läuft über unseren langjährigen Partner Anyfion, der uns auch mit Zitrusfrüchten vom Peloponnes versorgt. Wir arbeiten seit über zehn Jahren eng zusammen und sind mit 20 Prozent an der Firma beteiligt.
Aufgrund dieser Verbindung haben wir die Produzent:innen auf Kreta bereits ins gebana Modell integriert. Ende Juni 2026 erhielten sie zum ersten Mal die gebana Prämie: 10 Prozent des Verkaufspreises aus unserem Onlineshop zusätzlich zu den bereits bezahlten Bio-Preisen.
Bei der Infoveranstaltung anlässlich der Prämienauszahlung begegneten wir vielen überraschten Gesichtern. "Das Geld ist längst auf ihrem Konto – und sie können es noch immer nicht glauben", sagt Apostolis.
Für uns ist diese Reaktion nicht neu. Egal in welchem Land wir das gebana Modell und die gebana Prämie bisher eingeführt haben, begegnete uns immer erst einmal Unglaube. Und das ist durchaus nachvollziehbar. Denn wie oft passiert es im Handel, dass eine Firma mehr zahlt, als sie müsste? Eigentlich gar nicht.
Wir teilen. Immer.
10 Prozent unseres Verkaufspreises gehen direkt an die Bauernfamilien, die unsere Früchte und Gemüse anbauen – dieses Teilen ist ein integraler Bestandteil des gebana Modells.
Während die Bauernfamilien ihre neue Realität verdauen, freuen wir uns bereits auf die nächste Ernte. Im November kommen die ersten Avocados aus Kreta bei uns an. Vorbestellen können Sie schon jetzt.