Swiss cherries grown on standard trees. Sounds sophisticated and sustainable, right? Cherries like these and other fruit such as plums and apples are rare.
That wasn't always the case. According to the Hochstamm Suisse association, Switzerland once had over 15 million standard trees (the association doesn't specify exactly how long ago). Today, there are only 2.3 million. Why have we stopped cultivating these trees?
The answer is complicated and dates back to the 1950s. As Franco Ruault recounts in his book Baummord (Tree Murder), at that time and due to circumstances almost incomprehensible in today's world, more than 11 million standard trees were felled, often using explosives.
But putting this tragic tale aside, there are also rational reasons why Swiss fruit is hardly ever grown on standard trees anymore. As Christian Guyer explains: "With standard trees, the yield is lower, the harvest is less efficient and the risk of accidents is incredibly high." Guyer is a farmer based in Seegräben in the canton of Zurich. He grows cherries, berries, apples and vegetables.
Half-standard trees grow to around half the size of standard trees. In other words, these trees are restricted in terms of their height and width, as Guyer puts it. "Less growth often also means that they bear better fruit."
Guyer runs his farm together with Christian Etter. The duo follows a strictly organic and extensive approach. They farm part of their land using an agroforestry system that combines standard trees, cropland and areas that serve as a refuge for animals – piles of stones and branches and unmown sections of meadow.
But the organic cherries they grow and deliver to gebana's customers aren't grown in this extensive area. Instead, they're grown in an enclosed area under a protective cover. The rain cover shields the fruit from rain, preventing ripe cherries from bursting or going mouldy shortly before harvest. Nets around the perimeter of the orchard help keep out all kinds of pests, especially the dreaded spotted wing drosophila, formerly known as the cherry vinegar fly, which has been plaguing Switzerland since 2011.
Because trees in a half-standard orchard rarely grow taller than two or three metres, harvesting the fruit is easier than with standard trees. There's no need to climb ladders to pick the fruit at dizzying heights, and caring for the trees is less time consuming because almost all the work can be done from the ground.
Das Regendach und das Schutznetz verändern allerdings die Artenvielfalt innerhalb der Anlage. "In den Niederstammkulturen verhindert man durch die Netze nicht nur den Zuflug von Schädlingen, sondern auch von Nützlingen", sagt Guyer. "Viele Nützlinge wandern zu und ab, da sie im Winter einen anderen Lebensraum haben als im Sommer."
Diese unterbundene Migration führt in den Niederstammkulturen zu einem Ungleichgewicht, das sich bei Guyer und Etter in einer grösserer Blattlauspopulation manifestiert. "Auf Hochstammbäumen hat es auch Läuse. Aber das ist dort kein Thema, weil man so viele Nützlinge hat, die die Läuse fressen. Da muss man sich gar nicht drum kümmern", sagt Guyer.
Guyer und Etter bekämpfen die Blattläuse in ihren Niederstammanlagen mit ein bis drei Spritzungen Neemöl. Das Öl, das vom gleichnamigen Baum gewonnen wird, ist für Menschen ungefährlich und als Bio-Pflanzenschutzmittel zugelassen. "Die Läuse sind meistens das einzige Pflanzenschutzproblem, das ich habe bei den Niederstammbäumen."
Hanspeter Hediger aus Affoltern am Albis kann bei solchen Erzählungen nur lächeln. Seine Obstgärten gleichen aber auch eher Refugien der Natur mit Museumscharakter: Jeder Baum eine andere alte Sorte, fast ausnahmslos Hochstämmer, die Wiese zwischen den Bäumen etappenweise gemäht, damit Insekten und Tiere Zeit zum Migrieren haben. In jedem Baum sitzt ein kleines Hotel für Ohrenkriecher – die Gegenspieler der Blattläuse – und andere Insekten.
"Mäuse sind das einzige Problem, das ich in meinen Gärten habe", sagt Hediger, der gar kein Bauer ist. Nach 30 Jahren beim EWZ hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und gestaltet seither Obstgärten für Private wie auch Bauern, renaturiert und pflegt Biotope, ist Naturschutzbeauftragter und bewirtschaftet etliche Obstgärten wie jenen in Hedingen, durch den er mit Stolz führt.
Mäuse fressen die Rinde an den Wurzeln der Bäume ab. Die Wurzeln sterben ab, der Baum verliert so seine Nährstoffzufuhr und später auch den Halt. Hediger bekämpft die Mäuse mit CO2, das er in die Mäuselöcher einleitet. Eine andere Lösung hat er noch nicht gefunden. "In Amerika versucht man schon lange ein Wurzelwerk zu züchten, das die Mäuse nicht gernhaben. Bisher leider erfolglos", sagt Hediger.
Jeden Baum in seinem Garten kann er mit einem Blick bestimmen, zu jedem hat er eine Geschichte parat. "Hochstamm ist landschaftsprägend, Hochstamm heisst Erhaltung alter Sorten", doziert Hediger beim Gang durch den Garten. "Hochstamm ist aber nicht gleich Hochstamm, genauso wie Bio nicht gleich Bio ist. Man muss dahinterstehen, mit Herzblut dabei sein. Es muss ganzheitlich stimmen."
Für Hediger haben Niederstammanlagen dennoch eine Daseinsberechtigung. Mitunter setzt er auch selbst mal einen Niederstammbaum. "Bis die Hochstämmer in einem Garten ihren Platz und Raum eingenommen haben, ist ein Niederstämmer der in den Reihen dazwischen steht schon durch", sagt Hediger.
Ein Hochstammbaum braucht mindestens zehn Jahre, bis er Ertrag liefert. Hediger nennt das die Erziehungsphase oder die Kinderzeit. Ein Niederstammbaum oder ein Spindelbusch trägt hingegen je nach Sorte schon im Pflanzjahr spätestens aber im Folgejahr erste Früchte. Nach 10 bis 15 Jahren ist dafür Schluss.
Hochstammbäume spielen für Hediger zudem aus wirtschaftlicher Sicht in eine Nische. "Du musst Spass und Freude an den Bäumen und der Mehrarbeit haben", sagt er. "So wie ich das hier betreibe, funktioniert das nicht als Haupterwerb."
Die Dominanz der Niederstammanlagen liege auch an den Preisen auf dem Markt. Wenn er 100 Kilo Hochstammäpfel zur Mosterei bringen würde, blieben ihm am Ende kaum mehr als 15 Franken, sagt Hediger. Das spiegelt den Aufwand in keiner Weise wider. Hedigers Lösung ist, alles selbst zu machen. Aber das ist kaum für jeden Betrieb möglich.
Eine Zertifizierung soll den Hochstammanbau attraktiver machen
An den tiefen Preisen für Hochstammobst will der Verein Hochstamm Suisse etwas ändern. Vom Verein zertifizierte Produzent:innen können ihre Früchte unter dem gleichnamigen Label verkaufen und so zwei Franken zusätzlich pro 100 Kilo Obst verdienen. Produzent:innen von Spezialmostobst sollen so auf 35 Franken pro Kilo kommen.
Bei Kirschen sieht Hediger allerdings schwarz. "Für mich ist die Kirschproduktion auf Hochstamm vorbei. Wir haben zu viel Druck vom Wetter. Nass, heiss, kühl. Dieses Wechselspiel und dann die ganzen Schädlinge. Das funktioniert nicht."
Christian Guyer hat eine ähnliche Haltung. "Wir haben vor einigen Jahren eine ganze Reihe mit alten Kirschsorten gepflanzt. Aber ich bezweifle, dass sich das je lohnen wird, sagt er. Bisher haben wir die wenigen Früchte, die an den Bäumen hängen, in fast jeder Saison an Schädlinge und Vögel verloren".
Bei Äpfeln betreibt Guyer dennoch aktive Sortenerhaltung. Insbesondere auf den Agroforstflächen haben er und Christian Etter viele verschiedene alte Sorten gepflanzt. Zum Teil für Tafelobst, zum Teil für Süssmost. "Für mich ist das eine der Aufgaben, die einen bei der Arbeit befriedigen, eine fürs Gemüt." Da die Sortenerhaltung vom Bund finanziert ist, steht für Guyer die Produktion hier nicht so sehr im Vordergrund. Der Sortenerhalt ist für ihn primär eine gute Tat, die ihm Freude bereitet, wie er sagt.
Produzenten wie Christian Guyer und Christian Etter sind in der Schweiz eher Ausnahmen. Pioniere wie Hanspeter Hediger scheinen noch seltener. Zumindest wenn man sich die Statistiken des Bundes und des Schweizer Obstverbandes anschaut.
Von den schweizweit pro Jahr geernteten 200'000 Tonnen Obst stammt der Grossteil aus konventionellem Anbau. Die Biofläche wächst zwar stetig, doch mit 18 Prozent oder 1126 Hektar ist ihr Anteil sehr gering (Stand 2021). Konkrete Zahlen zum Anteil der Hochstammproduktionen liefert der Bund nicht.
Die richtige Sorte wählen
Verstärkt wird die Misere wie so oft durch den Handel. "Die Grossverteiler wollen Früchte, die alle gleich gross und gleich schön sind", sagt Hediger. "Diese Sorten kann man nicht so produzieren, wie ich das hier mache. Das geht nur in Intensivanlagen." Die Früchte in den Grossverteilern seien Sorten, die extra für den Intensivanbau gezüchtet und erforscht worden seien. Ausgelegt auf den Anbau in Kombination mit künstlicher Düngung und Pflanzenschutzmitteln.
Viele der Supermarktsorten – zum Beispiel der Apfel Gala – eignen sich kaum für den Bio-Anbau. "Gala ist absolut keine Bio-Sorte", sagt Chrstian Guyer. "Schon als konventioneller Produzent musst du bei Gala 20 Mal pro Saison spritzen. Ein Biobauer muss dann sicher 40 Mal fahren, weil die Bio-Spritzmittel viel weniger bewirken." Mehr Fahrten heisst mehr Arbeit, mehr Diesel, mehr Bodenverdichtung. "Bio ist nicht in allen Fällen besser als nicht-bio", sagt Guyer.
Wenn der Handel jetzt auf alternative Sorten setzten würde, würden auch die Konsument:innen mitmachen, glaubt Guyer. Und das glauben auch wir. Deshalb arbeiten wir mit Produzent:innen wie Christian Guyer, Christian Etter und Hanspeter Hediger zusammen. Ihre Produkte und viele weitere Schweizer Spezialitäten finden Sie in unserem Onlineshop.